„Können Sie zu uns in den Kreißsaal kommen? Wir haben hier eine Mutter, die heute am frühen Morgen ihr Kind in der 23. Schwangerschaftswoche bekommen hat und dringend jemanden zum Reden braucht. Ob es das Kind schafft, wissen wir noch nicht.“ Was die Seelsorgerin Christiane Zimmermann-Schwarz in dieser Situation erlebte, lesen Sie hier.
„Darf ich Sie jetzt erst mal zu einem Kaffee einladen?“ Die junge Frau schaut mich kurz erstaunt, dann nickt sie und wischt sich Tränen aus den Augen. Viel hat sie geweint in den letzten Wochen und Tagen, in der Nacht kein Auge zugemacht. Eben ist ihr sechs Wochen alter Sohn zu einer komplizierten Herzoperation abgeholt worden. Der Ausgang ist ungewiss. Gestern noch habe ich den Kleinen getauft, das war der Mutter ganz wichtig. Jetzt werde ich bei ihr sein. - Ein Bericht von Christiane Bindseil.
Als ich die kleine Jasmin* kennenlernte, war sie gerade drei Tage alt. Sie war in einem 130 km entfernten Kreiskrankenhaus zur Welt gekommen und hatte wenige Stunden auf den Armen ihrer überglücklichen Eltern verbringen dürfen. Bis einer Hebamme auffiel, dass sie immer schneller atmete und dass ihre Lippen und ihre Fingernägel leicht blau wurden. Der schnell herbeigerufene Kinderarzt hörte sie ab und schlug sofort Alarm. Jasmin wurde in einem Rettungshubschrauber nach Heidelberg geflogen und auf die Kinderkardiologische Intensivstation verlegt.
Es ist ein ungewöhnliches Modell, aber es hat sich schon seit längerer Zeit bewährt: Die Freiburger Kinderkardiologie und die Evangelische Seelsorge kooperieren ganz eng miteinander. Denn der Bedarf bei der Begleitung schwer erkrankter Kinder, Jugendlicher und ihrer Eltern innerhalb der Kinderkardiologie ist sehr groß. Jedes 100. Kind kommt mit einem Herzfehler auf die Welt, dementsprechend gibt es meistens gleich nach der Geburt schnellen Handlungsbedarf.
Wenn ich nicht krank geworden wäre, hätte ich dich nicht kennengelernt“, sagte die zehnjährige Johanna. Und eine andere junge Patientin betont: „Anfangs wollte ich Sie ja nicht in mein Zimmer lassen. Aber jetzt bin ich doch sehr froh, dass ich es getan habe!“ Beate Lessle-Rauter ist Seelsorgerin in der Kinderklinik am Städtischen Klinikum Karlsruhe. Sie kümmert sich vor Ort um Kinder und deren Angehörige.
"Tränen trocknen und nach Hoffnung suchen" - Ein Bericht von Jens Terjung
Als Seelsorger wurde ich vom Personal der Kinderonkologie zur Mutter des erkrankten Kindes geschickt: „Gehen Sie doch mal vorbei, wir glauben, dass es ihr guttut und dass sie Unterstützung gebrauchen kann!“ Diesen Hinweis habe ich aufgenommen und mich bei der Mutter vorgestellt, vorsichtig vorgetastet und versucht zu ergründen, was ihr auf der Seele liegt. Das war der Beginn einer Begleitung, die sich über die kommenden Wochen und Monate erstreckte – verbunden mit neuen positiven Erfahrungen mit der Kirche.