Es ist ein ungewöhnliches Modell, aber es hat sich schon seit längerer Zeit bewährt: Die Freiburger Kinderkardiologie und die Evangelische Seelsorge kooperieren ganz eng miteinander. Denn der Bedarf bei der Begleitung schwer erkrankter Kinder, Jugendlicher und ihrer Eltern innerhalb der Kinderkardiologie ist sehr groß. Jedes 100. Kind kommt mit einem Herzfehler auf die Welt, dementsprechend gibt es meistens gleich nach der Geburt schnellen Handlungsbedarf.
Kinderkardiologie im Universitäts-Herzzentrum Freiburg/Bad Krozingen – Seelsorge mit Herz
Ein Bericht von Jens Terjung
Einige Herzfehler kann man heutzutage mit geringem Aufwand beheben und die Kinder können dann wieder schnell die Klinik verlassen. Andere Herzfehler stellen sich viel komplexer dar – manchmal braucht es mehrere OP-Schritte innerhalb der nächsten Jahre. Das bedeutet, dass die Eltern mit ihren Kindern immer wieder an die Kardiologie angebunden und auf die dortige Hilfe angewiesen sind. Das bedeutet aber auch, dass die Eltern sich auf einen neuen Lebensentwurf mit ihrem kranken Kind einstellen müssen. Diese Tatsache wirft viele Fragestellungen auf, verbunden mit Trauer, Unsicherheit, Orientierungslosigkeit, Macht- und Hilflosigkeit, aber auch verbunden mit der Sehnsucht nach Sicherheit, Hoffnung und Liebe. Auch die religiösen Fragen nach Gott, einer höheren Macht wie auch der Wunsch nach Segnung, Taufe und Gebet spielen hier eine wichtige Rolle.
Als Seelsorger begleite ich herzkranke Kinder und ihre Eltern. Seelsorge ist als Angebot zu verstehen, dass die Menschen auch ablehnen dürfen. Aber meistens kommt ein Kontakt zustande bzw. eine Begleitung ist erwünscht – und dann will ich diesen Menschen als verlässlicher, vertrauenswürdiger und gut erreichbarer Ansprechpartner für die kommende Zeit zur Seite stehen.
Es gibt noch einen weiteren wichtigen Grund, weshalb der Bedarf nach Seelsorge gerade in der Freiburger Kinderkardiologie besonders hoch ist: Seit einiger Zeit ist Freiburg deutschlandweit das führende Zentrum für Kinderherztransplantationen. Oft warten die Kinder/ Jugendliche über mehrere Wochen oder Monate stationär auf ein Spenderherz. Zuletzt wurde ein Kind mit seiner Familie nach 13-monatigem Aufenthalt glücklich entlassen – aber hinter allen Beteiligten liegt ein sehr anstrengender Weg, bei dem viel Hilfe, Unterstützung und Begleitung erforderlich war.
Mit einem „normalen“ Deputat könnte ich diese intensive Arbeit nie leisten. Daher bin ich sehr froh und dankbar, dass der Elternverein Herzklopfen e. V. sich bereit erklärt, eine halbe Personalstelle für die Aufgaben der Seelsorge zu finanzieren. In den ersten beiden Jahren beteiligt sich die Stiftung Kranke Begleiten zu einem Drittel an der spendenfinanzierten Seelsorge-Stelle. Bis dahin hat der Elternverein Herzklopfen e.V. Zeit, die Finanzierung ganz „auf eigene Beine zu stellen“. In der Zwischenzeit hat der Elternverein bereits neue Spendengelder akquirieren können, so dass die Finanzierung über die ersten zwei Jahre hinausgehen wird. Vielen Dank für diese Unterstützung durch die Stiftung Kranke Begleiten! Das Engagement und die Anschubfinanzierung haben sich auf jeden Fall gelohnt.

Jens Terjung ist der erste Klinikseelsorger in der Reihe der Preisträger*innen. Der Preis war mit 5.000 € dotiert. Jens Terjung spendete den Preis an die Stiftung Kranke Begleiten und den Elternverein Herzklopfen e.V.

