Hedwig Krampf Stiftung

 
Hedwig Krampf war die ledige Cousine meiner Mutter und wurde am 15. Juni 1910 als jüngste von drei Töchtern des Mannheimer Metzgermeisters Karl Krampf und seiner Frau Sophie geboren. Nachdem die Familie die Metzgerei aus Altersgründen aufgegeben hatte, zog sie nach Friedrichsfeld. Meine Eltern lebten nach dem Krieg in der Neckarstadt und hatten schon bald ein Auto. Als ich noch ein Kind war, fuhren meine Eltern oft mit mir zu den Verwandten nach Feudenheim, Ilvesheim oder Friedrichsfeld. Auch während meiner Studienzeit und als ich schon Pfarrer in Wiesloch-Baiertal war, blieb der Kontakt zu den drei Krampf-Schwestern erhalten.

Später, als die zwei älteren Schwestern von Tante Hedwig gestorben waren, rückten meine Mutter und sie noch näher zusammen. Mit der Zeit fiel mir auf, dass Tante Hedwig ihre alltägliche Versorgung immer weniger gut gelang. Ich bot ihr an, die komplette Versorgung von Heidelberg aus zu organisieren. Doch sie sagte ganz ernst zu mir: „Noch schaffe ich alles allein. Wenn ich dich brauche, rufe ich dich“. Monate vergingen, immer wieder erneuerte ich besorgt mein Angebot, da es ihr körperlich immer schlechter ging.
 
 
Anfang August 1996 ließ sie mich schließlich rufen. Sie hatte Bauspeicheldrüsenkrebs und nur noch wenige Wochen zu leben. Ich holte sie aus der Klinik und organisierte eine 24 Stundenbetreuung in ihrer Wohnung. Es folgten sehr intensive Gespräche. Sie erzählte mir viel aus ihrem Leben. Hedwig durfte einen richtigen Beruf lernen, machte eine Banklehre und wurde Beamtin bei der Deutschen Bank. Sie lernte Sprachen und war sehr belesen. Ihre Vermögensangelegenheiten regelt sie selbst, hatte aber auch eine geschickte Verwalterin, mit der sie inzwischen gut befreundet war. „Ihr habe sie ein Grundstück überschrieben“, sagte sie. Das übrige Vermögen sollte ich bekommen. Ich schlug ihr vor – in Ihrem Sinne eine Stiftung zu errichten und sie war einverstanden. Am Abend des 12. September 1996 vollendete sich das Leben von Hedwig Krampf.
 
 
Am 2. Dezember 1996 war die Stiftung genehmigt und konnte starten. Mit großem Elan ging ich nun im Sinne von Tante Hedwig daran, eine barrierefreie Wohnanlage – benannt nach der im KZ Auschwitz ermordeten Jüdin Pauline Maier – in meiner ehemaligen Gemeinde Baiertal zu errichten. Die Anlage mit 29 Wohnungen war im Herbst 2001 fertig gestellt. Es fanden sich aber keine Käufer und auch nur wenige Mieter. Leider mussten wir im November 2002 die Gesellschaft auflösen. Es bleibt der Trost, dass mitten in Baiertal eine wunderschöne Wohnanlage geschaffen wurde, die seniorengerecht ist und in der meine Mutter ein wunderschönes letztes Lebensjahr hatte.
Es blieb ein Betrag von 20.000 €, der von mir als Zustiftung der Stiftung Kranke Begleiten übergeben wurde. Es sind keine Bedingungen daran geknüpft, so dass der Ertrag im Sinne der Stifterin Hedwig Krampf „für wo am Nötigsten“ eingesetzt werden kann.
 

„Wir freuen uns, über das mittlerweile auf 36.120 Euro angewachsene Stiftungskapital, welches kontinuierlich durch Herrn Kirchenrat Burkhardt und sein Netzwerk stetig erhöht wird. Wir danken ihm sehr für sein Engagement.“

Sabine Kast-Streib, Vorsitzende des Vorstands der Stiftung Kranke Begleiten