
Kliniken Schmieder/Frauenklinik Heidelberg – zuhören und Zuwendung schenken
Ein Bericht von Christiane Zimmermann-Schwarz

Eine nicht erkannte Autoimmunerkrankung ließ die 41-jährige Erzieherin und Mutter eines zweijährigen Jungen immer schwächer werden, bis sie im Mai 2020 plötzlich einen Atemstillstand hatte und ins Koma fiel. Als sie nach über 6 Wochen wieder aufwachte, erinnerte sie sich an nichts – und war am ganzen Körper gelähmt. Seit Beginn ihrer Reha in der Heidelberger Schmiederklinik bekam Patricia T. zweimal wöchentlich Besuch von Christiane Zimmermann-Schwarz. „Es tut so gut zu wissen, dass regelmäßig jemand kommt und mir zuhört!“ sagte die Patientin. „Wir hatten auf Anhieb einen guten Draht zueinander – auch wenn es manchmal nur Smalltalk ist, worüber wir reden, sind mir die Zeit und Zuwendung ungeheuer wichtig!“ Auch für ihren Ehemann, der mit dem Sohn in Stuttgart lebt und nicht täglich vorbeikommen konnte, waren die regelmäßigen Besuche der Klinikseelsorgerin eine große Entlastung. Er war sehr dankbar für die Zuwendung und erleichtert darüber, dass sich jemand in seiner Abwesenheit um seine Frau kümmerte.
Ständig rufbereit
„Zeit mitzubringen und Hoffnung zu schenken sehe ich als meine vorrangige Aufgabe an“, erklärt die Pfarrerin, die selbst dreifache Mutter ist. Schicksale wie das von Patricia T. erlebt sie in ihrem Berufsalltag in der Universitäts-Frauenklinik und der Schmiederklinik „Speyererhof“ täglich. Viele Patienten sind offen und dankbar für eine persönliche Zuwendung jenseits des straff durchorganisierten Klinikalltags. Dabei spielen Religion und Konfession eine untergeordnete Rolle. Die evangelischen Klinikseelsorger haben Zeit für alle und dies rund um die Uhr. Es gibt an sieben Tagen in der Woche einen 24-Stunden Rufdienst, den sich die Klinikpfarrer untereinander aufteilen, um jederzeit in schweren Notlagen vor Ort zu sein. Dazu gehört der plötzliche Tod eines Angehörigen, der Abschied von einem lieben Menschen, die Abschaltung lebenserhaltender Geräte oder die Nottaufe eines Neugeborenen. „Ganz wichtig ist hier die eng vernetzte Zusammenarbeit mit weiteren Klinikmitarbeitern, aber auch der intensive Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen“, sagt Zimmermann-Schwarz.
Ein offenes Ohr für alle
Häufig suchen auch Menschen, die angesichts ihrer schweren Lage mit Gott hadern oder die gar nichts von ihm wissen wollen, das Gespräch mit den Seelsorgern. So sind Muslima zuweilen dankbar für ein vertrauliches Gespräch mit der Pfarrerin als Frau und Mutter, um über den schmerzlichen Verlust eines stillgeborenen Kindes zu sprechen oder Fragen zu stellen, mit denen sie sich sonst an niemanden wenden können. Es sind oft ganz praktische Themen: Wie gehe ich mit der Krankheit um? Wie sage ich es meiner Familie? Wer hilft mir zuhause? Wie löse ich die finanzielle Not, die mir durch die Krankheit entstanden ist? Aber auch die Frage: Warum ich, warum tut Gott mir das an?! Hier gelte es nicht, Antworten zu finden oder gar Gottes Taten zu rechtfertigen, sondern gemeinsam das oft so schwere Schicksal anzunehmen und auszuhalten.
Lächelnd erzählt die Seelsorgerin von einer Patientin, die ihr gleich beim ersten Besuch an den Kopf warf, dass sie mit Gott „nichts am Hut“ habe. Über viele Wochen hinweg habe sie diese Patientin immer wieder freundlich gegrüßt – teils bei Seelsorgegesprächen am benachbarten Bett, teils bei Begegnungen auf dem Gang. Bei ihrer Entlassung drückte ihr die Patientin dann fest die Hand und raunte ihr zu: „Passen Sie gut auf sich auf, damit sie ihre wichtige Aufgabe noch lange ausüben können!“
