
Geronto- und Palliativ-Seelsorge Pforzheim – Damit sie nicht allein bleiben.
Ein Bericht von Seelsorger Burghardt Kayßer.

Heute bin ich zum dritten Mal bei ihr zu Besuch. Ihre Tochter ist auch da und streichelt liebevoll ihre Mutter, weil sie dann ruhiger wird. Später kommt auch die Enkelin mit ihrem wenige Wochen alten Baby. Die Enkelin geht zur Oma, freut sich, sie noch mal zu sehen und fängt gleichzeitig an zu weinen. Sie hat die Urenkelin auf dem Arm und legt das Baby neben ihre Großmutter ins Bett. Sie macht das ganz unbefangen und selbstverständlich.
Es berührt mich, wie die sterbende Frau neben dem Neugeborenen liegt.
Am nächsten Tag treffe ich die Tochter wieder, die gerade ihre Mutter besuchte. Sie war froh, dass Enkelin und Urenkel noch bei der Mutter waren und sie sich so verabschieden konnten. Zwei Tage später ist Martha F. im Beisein ihrer Tochter verstorben. Als sie im Heim ankam, machte die Mutter noch ein paar Atemzüge und hörte dann auf zu atmen.
Diese Begleitung blieb mir und den Angehörigen in ganz besonderer Erinnerung.
Die Tochter bittet mich zu ihrer sterbenden Mutter zu kommen. Martha F.* ist sehr unruhig und schon recht schwach. Neben ihr liegt die wenige Wochen alte Urenkelin. Die Familie ist an ihrer Seite und es berührt mich, wie die sterbende Frau neben dem Neugeboren liegt.
Er bittet mich um ein Bibelwort und Gebet
"Ich hätte nicht gedacht, dass die Vergangenheit mich nochmal so einholt.“ sagt der 96jährige und fast erblindete Alfred K.* Die Wohnbereichsleitung bat mich um einen Besuch. Er erzählt, dass ihm viel im Kopf herumgeht und er kaum schlafen kann. Kriegserlebnisse bewegen ihn. Er sieht sich in Russland bei -50°C, erfrorene Soldaten, eigene Verwundung und kämpft mit Schuldgefühlen. Im Gespräch bittet er mich um ein Bibelwort und Gebet und möchte, dass ich wieder komme. Das tu ich eine Zeit lang fast täglich, bis er dann einschlafen konnte und seinen Frieden gefunden hat.
Damit sie nicht allein bleiben
Meine Aufgabe als Geronto-Seelsorger besteht in Besuchen und der Begleitung von Bewohnerinnen und Bewohnern in drei Pflegeheimen und im christlichen Hospiz in meiner Heimatstadt Pforzheim und Umgebung. Dort begleite ich alleinstehende ältere Personen, die keine Angehörigen mehr haben oder von ihnen nicht mehr besucht werden. Oft bin ich die einzige Ansprechperson für sie. Wenn besondere Fragen oder aktuelle Nöte das Leben erschweren, tut es gut, damit nicht allein zu bleiben, sondern sich einem Menschen anvertrauen zu können, der Zeit und ein offenes Ohr mitbringt. Die Konfession spielt dabei keine Rolle. Auch in meinen Gottesdiensten ist jeder willkommen.
Ich bin da, höre zu und begleite ältere und sterbende Menschen und Ihre Familien, damit sie auf dem letzten Weg nicht allein sind.
Seelsorgearbeit nur möglich durch enge Zusammenarbeit mit Heimen und Hospiz
Bei über fünfhundert Bewohnerinnen und Bewohnern gelingt diese Seelsorgearbeit nur aufgrund der guten und engen Zusammenarbeit mit den Leitungen der Häuser und der Mitarbeitenden. Immer wieder erhalte ich dabei Hinweise, wem ein Besuch besonders guttun könnte.
Das gilt besonders auch für Sterbende, die ich auf eigenen Wunsch oder dem Wunsch ihrer Angehörigen gerne begleite. Gerade für die Familien ist es ein Trost, Unterstützung zu erleben, damit sie auf diesem letzten Weg nicht allein sind. Bei einigen schließt das auch die Trauerfeier und die Beerdigung ein. Manchmal suchen auch Mitarbeitende der Heime das seelsorgliche Gespräch. Für alle diese Menschen ist es gut, dass sie einen festen Ansprechpartner haben, der für sie da sein will und kann.
*Namen geändert
