"Herr Pfarrer, ich weiß einfach nicht mehr weiter".
Einen solchen oder einen ähnlichen Satz höre ich oft in meinem Dienst.
Der Umzug in ein Pflegeheim -sei es nun "für immer" oder auch "nur" zur Kurzzeitpflege- stellt einen großen Einschnitt im Leben der Bewohner:innen dar.
Die Gründe hierfür sind meist altersbedingte Einschränkungen, ein Krankenhausaufenthalt und die damit verbundenen Verlusterfahrungen.
Diese betreffen den ganzen Menschen und sein gesamtes Umfeld: Der Verlust von Gesundheit und Selbständigkeit, meist der Verlust der Wohnung, des "Zuhauses", der Verlust von Nachbarschaft und sozialer Beheimatung in der Straße, im Stadtteil.
Und das Bewusstsein: Es wird nicht mehr. Das Leben wird nie mehr wie früher sein. Das Leben wird voraussichtlich hier im Pflegeheim enden.
Da helfen keine Vertröstungen und keine Bagatellisierungen. Da hilft nur: Dasein. Dasein und Zuhören.
Und wenn ein bisschen Vertrauen wachsen konnte zwischen Bewohner:in und mir, dann hilft manchmal eine Körperübung aus der Traumatherapie,
ein Gebet und ein Segen.
"Das war wieder ein schöner Gottesdienst mit den Kindern!"
Als Ausgleich zu "nur Altenheim" genieße ich es, mit den Kindern vom benachbarten Kindergarten generationübergreifende Gottesdienste zu feiern:
Gottesdienst von drei bis 103. Vor Corona auch zusammen im Saal mit der Aktion: Vorschulkinder salben Senioren mit Salböl und sprechen ihnen einen Segen zu:
"Gott liebt dich". Seit April 2020 feiern wir diese Gottesdienste als OpenAir/Balkongottesdienste im großen gemeinsamen Garten. Auf der einen Seite sitzen die Kinder, die Erzieherinnen begleiten die Lieder mit Gitarre. Auf der anderen Seite, auf den Balkonen, sind die Senioren. Gemeinsames Winken statt Glockengeläut, Beziehung statt hochtheologischer Predigt. Solche geistlichen Momente sind für alle kleine Kraft-Zeiten. Auch Mitarbeitende aus Pflege nehmen manchmal daran teil. Sie können nicht immer die ganze halbe Stunde mit dabei sein. Aber auch wenn sie "nur" drei Minuten zuschauen, sind sie mit dabei. Mehr als früher, als die Gottesdienste separat im Saal gefeiert wurden.
"Danke, dass Sie bei meiner Mutter gewesen sind."
Wer die Pflege und Betreuung von Angehörigen innerfamiliär auf Dauer nicht leisten kann, da bleibt oft nur der Umzug ins Pflegeheim. Manchmal wohnen Angehörige weiter weg und können nicht so oft zu Besuch kommen. Gerade wenn es ans Sterben geht, lässt sich der Sterbeprozess oft nicht klar absehen. Für Angehörige ist es oft eine große Beruhigung, wenn sie wissen: Seelsorge ist da. Und wo ein Leben zu Ende gegangen ist, pflegen wir eine christliche Erinnerungs- und Gedenkkultur.
Seelsorge hat für mich die Funktion, wie sie im Abendlied "Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen" beschrieben wird: "Denn unermüdlich, wie der Schimmer des Morgens um die Erde geht, ist immer ein Gebet und immer ein Loblied wach, das vor dir steht."