Zustiftung

Hedwig Krampf Unterstiftung

Eine Zustiftung zur „Stiftung Kranke Begleiten“

Quelle: Wolfgang Burkhardt
Hedwig Krampf wurde am 15. Juni 1910 als jüngste Tochter des Mannheimer Metzgermeisters Karl Krampf und seiner Frau Sophie, geborene Häfner, geboren.

Nachdem die Eltern die Metzgerei aus Altersgründen aufgegeben hatten, zog sich die Familie mit den drei Töchtern und dem Schwiegersohn nach Friedrichsfeld zurück.

Hedwig Krampf war eine Cousine meiner Mutter. Auch sie hatte zwei Schwestern. Meine Eltern lebten nach dem Krieg in der Neckarstadt und hatten schon bald ein Auto. Als Kind fuhren meine Eltern mit mir oft zu den Verwandten nach Feudenheim, Ilvesheim oder Friedrichsfeld. Während meiner Studienzeit holte ich die Schwestern manchmal mit dem Auto ab und brachte sie auch wieder zurück.

Als ich dann selber Familie hatte und Pfarrer in Wiesloch-Baiertal war, begann ich regelmäßig zum Jahreswechsel Rundbriefe an Freunde und Verwandte zu schicken.

Quelle: Wolfgang Burkhardt
Als die jeweils älteren Schwestern gestorben waren, rückten die beiden Hedwigs näher zusammen. Sie telefonierten miteinander und manchmal begleitete ich meine Mutter. Mit der Zeit fiel mir auf, dass Tante Hedwig ihre alltägliche Versorgung immer weniger gut gelang, Ich bot ihr an, von Heidelberg aus die komplette Versorgung zu organisieren.

Da schaute mich die Tante ganz ernst an und sagte zu mir: „Noch schaffe ich alles allein. Die Mieter im Haus sind sehr hilfsbereit. Wenn ich dich brauche, rufe ich dich“.

Quelle: Wolfgang Burkhardt
Monate vergingen, wir kamen immer mal wieder zu Besuch, ich erneuerte mein Angebot, aber die Tante sagte regelmäßig: „Wenn ich dich brauche, dann rufe ich dich. Wart nur ab.“ Und so gingen wir wieder, ich ein wenig unzufrieden, meine Mutter, der es körperlich deutlich besser ging, durchaus besorgt.

Anfang August 1996 ließ meine Tante aus der Klinik anrufen und mich rufen. Sie hatte Bauspeicheldrüsenkrebs und nur noch wenige Wochen zu leben. Ich holte sie aus der Klinik und organisierte eine 24 Stundenbetreuung zu Hause in ihrer Wohnung.
Zwangsläufig hatten wir nun sehr intensive Gespräche. Sie erzählte viel aus ihrem Leben. Hedwig durfte einen richtigen Beruf lernen. Sie machte eine Banklehre und wurde Beamtin bei der Deutschen Bank. Sie durfte Sprachen lernen und war sehr belesen.
Und sie erzählte wie sie als alleinstehende Frau ihre Vermögensangelegenheiten gut regeln konnte, sie aber dennoch froh war eine geschickte Verwalterin zu haben, mit der sie inzwischen gut befreundet ist. Ihr habe sie ein Grundstück überschrieben. Dann sagte sie mir, das übrige Vermögen sollte ich bekommen. Das wollte ich nicht. So schlug ich ihr vor, eine Stiftung zu errichten.
Eine mir bekannte Anwältin machte den Entwurf, ihre Pflegerin war Zeugin und ein Notar protokollierte. Am 12. September 1996 abends um fünf vor neun vollendete sich dann das Leben von Hedwig Krampf.


Quelle: Wolfgang Burkhardt
Am 2. Dezember 1996 war die Stiftung genehmigt und konnte starten. Mit großem Elan ging ich nun im Sinne von Tante Hedwig daran, eine barrierefreie Wohnanlage in meiner ehemaligen Gemeinde Baiertal zu errichten.
Die Anlage mit 29 Wohnungen war im Herbst 2001 fertig gestellt. Es fanden sich aber keine Käufer und auch nur wenige Mieter. Meine Mutter Hedwig gehörte dazu.

Da erst bemerkte ich was das bedeutete, dass der Bauträger in der Stadtmitte von Wiesloch zeitgleich eine große Seniorenwohnanlage ohne Betreuung errichtet hatte. Die ließ sich zügig vermarkten, aber in Baiertal standen die allermeisten Wohnungen leer.

Alle meine Bemühungen Käufer oder doch wenigstens Mieter zu finden, gingen ins Leere. Insbesondere konnten für die Gewerberäume keine Käufer gefunden werden.

Am 27. November 2002 mussten wir vor dem Notariat in Wiesloch die Gesellschaft auflösen, das Eigenkapital und alle der Hedwig-Krampf-Stiftung zugedachten Wohnungen auf den Bauträger im Wert von etwa 800.000 € übertragen.

Quelle: Wolfgang Burkhardt
Die Wohnanlage, die auf meinen Wunsch hin nach der jüdischen Krankenschwester Pauline Maier (s.u.) benannt wurde, war gut drei Monate nach Übergabe voll belegt. Sie wird inzwischen von der kirchlichen Sozialstation Wiesloch betreut.
Nachzutragen bleibt der Trost, dass mitten in Baiertal eine wunderschöne Wohnanlage geschaffen wurde, die barrierefrei und seniorengerecht ist und wo meine Mutter ein wunderschönes letztes Lebensjahr hatte.

Es blieb ein Rest von 20.000 €, der nun Ende 2008 als Zustiftung der Stiftung Kranke Begleiten übergeben wurde. Es sind keine Bedingungen daran geknüpft, so dass der Ertrag im Sinne der Stifterin Hedwig Krampf „für wo am Nötigsten“ eingesetzt werden kann.
Möge dieser Beitrag Ihnen liebe Leserin, lieber Leser, Mut machen, auf ein eigenes Projekt zu verzichten und durch eine Zustiftung wirksam Deputatsanteile für die Krankenhausseelsorge zu ermöglichen. In meinem Fall wären es 500.000,- DM gewesen, damals wäre das für die Finanzierung einer Viertel-Stelle ausreichend gewesen.

Wolfgang Burkhardt,
Pfarrer, KR i.R., Landeskirchlicher Beauftragter für Besondere Seelsorgedienste von 2001 bis 2009

Wir freuen uns, dass Herr Kirchenrat Burkhardt im Jahr 2010 seine Zustiftung um 2.000 Euro erhöht hat. Wir danken ihm sehr für sein Engagement.
Sabine Kast-Streib, Vorsitzende des Vorstands der Stiftung Kranke begleiten

Pauline Maier
Quelle: Wolfgang Burkhardt
Pauline Maier wurde am 21. Oktober 1877 in Baiertal bei Heidelberg geboren. Nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester in Berlin und Breslau wechselte sie 1913 in das jüdische Krankenhaus in Mannheim. Während des Ersten Weltkrieges arbeitete sie in Kriegslazaretten und Verwundetenzügen. Nach Ende des Krieges kehrte sie nach Mannheim zurück, wo sie 1922 die Stelle der Oberin am jüdischen Krankenhaus übertragen bekam. Am 22. Oktober 1940 begleitete Pauline Maier freiwillig die Menschen aus dem Kranken- und Pfründnerhaus, welches bis auf die Transportunfähigen, bei der Deportation nach Gurs, geräumt wurde. Im dortigen Lager pflegte sie die Menschen weiterhin und gab ihnen Hoffnung. Im August 1942 wurde der größte Teil der Insassen des Lagers nach Auschwitz transportiert. Als Freiwillige schloss sich Pauline Maier an, wo sie im gleichen Jahr in Auschwitz ermordet wurde