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Seelsorge in der Neurologischen Rehaklinik an den Kliniken Schmieder Heidelberg (2009 bis 2014)

Ein Bericht von Elisabeth Müller-Schmidtborn

Ein Patient, gefragt, wie er denn seinen fast einjährigen Klinikaufenthalt durchgestanden habe, erwiderte: „Ohne die kontinuierliche seelsorgerliche Begleitung hätte ich das so nicht geschafft.“ Dieses Zitat zeigt beispielhaft, wie groß der Bedarf an Seelsorge in „meiner“ Klinik ist.

Die lange Verweildauer – sie liegt im Durchschnitt bei drei Monaten – ist nicht ungewöhnlich für eine neurologische Fach- und Rehaklinik wie die Kliniken Schmieder Heidelberg. Die häufigste Erkrankung sind Schlaganfälle, vor allem bei jüngeren Menschen; hinzukommen u.a. MS-Kranke, Tumor- und Wachkomapatienten. Bedingt durch die verkürzte Verweildauer in den Akut-Kliniken hat die Zahl der Intensivpflegebedürftigen in den letzten Jahren deutlich zugenommen, und dementsprechend auch die Zahl der Sterbefälle.

Aufgrund der Schwere der neurologischen Erkrankungen und des Langzeitaufenthalts der Patiente ist die seelsorgerliche Begleitung unerlässlich und wird vielfach ausdrücklich angefragt. In den Gesprächen geht es dabei meist nicht nur um die unmittelbare Krankheitserfahrung, sondern auch um die je eigene Lebensgeschichte. Existentielle Fragen drängen sich auf nach Sinn und Wert, nach einem verlässlichen Grund, nach Gott.

Oft sind es gerade der Kirche entfremdete Menschen, die in solchen Krisensituationen einen neuen Zugang suchen und dankbar sind für die persönliche Zuwendung, für einfühlsames Zuhören und ein Stück gemeinsamer Wegbegleitung. Manchmal ist die Not so erschütternd, dass Worte verstummen, und ich als Seelsorgerin nur da sein kann und versuche, mit zu tragen, mit auszuhalten.
Es entstehen intensive Kontakte, auch über die Zeit des Klinikaufenthaltes hinaus.

So wichtig wie die Beziehung zu den Patienten ist die Aufmerksamkeit für die Angehörigen. Sie sind auf andere Weise mit betroffen und fühlen sich oft hilflos und überfordert: neben der Sorge um den Kranken gilt es, den Alltag unter den veränderten Bedingungen, womöglich auf sich allein gestellt, zu bewältigen bis hin zu Problemen der finanziellen Absicherung.

Als Krankenhaus-Seelsorgerin verstehe ich mich zudem als Ansprechpartnerin für die Mitarbeitenden. Sie sind, gerade im Pflegebereich, sehr belastenden Situationen ausgesetzt; es fehlt oft an der nötigen Wertschätzung und in Zeiten der Kostendämpfung und Personaleinsparung kommt es zu Überlastung. In Bezug auf diese strukturellen Mängel stoße ich seelsorgerlich allerdings an Grenzen.
Einmal wöchentlich nehme ich an den Stationsbesprechungen teil, um in Kontakt zu bleiben und über aktuelle Vorgänge informiert zu sein.

Aus dem Kreis der Mitarbeiter kam wiederholt der Wunsch nach einer Fortbildung zum Thema „Sterbebegleitung“. Zusammen mit meinem katholischen Kollegen haben wir schon wiederholt ein solches Seminar durchgeführt.

Im Frühjahr 2008 wurde ein interdisziplinäres Ethikkomitee gegründet, das in Grenzsituationen über Fragen der Therapiebegrenzung beraten soll. Unsere Mitarbeit als Seelsorger wurde dabei von der medizinischen Leitung ausdrücklich angefragt und erwünscht.

In der kleinen, schmucken Kapelle des Hauses finden am Sonntagmorgen abwechselnd evangelische bzw. katholische Gottesdienste statt. An hohen Festtagen feiern wir gemeinsam ökumenischen Gottesdienst.
Die Gottesdienste sind erfreulich gut besucht und bieten eine weitere Möglichkeit, zur Kontaktaufnahme und zum seelsorgerlichen Gespräch. Sie sind für mich selbst ein unverzichtbarer Bestandteil meiner Seelsorge, eine notwendige Rückbesinnung und Vergewisserung.

Von 2004-2014 war ich in den Kliniken Schmieder mit einem Auftrag von nur wenigen Stunden vom Kirchenbezirk Heidelberg angestellt, da seitens der Landeskirche hierfür keine Stelle ausgewiesen ist. Deshalb hat es mich sehr gefreut und ich bin dankbar für die zusätzliche finanzielle Unterstützung, die ich seit Sommer 2009 durch die Stiftung Kranke Begleiten erhielt. Die Stiftung Kranke Begleiten hat sich auch bereit erklärt, die Arbeit mit meiner Nachfolgerin zunächst weiter zu unterstützen.